Die Ausbildung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr wird auf einen möglichen militärischen Konflikt mit Russland ausgerichtet. Statt sich auf kurzfristige Einsätze zu konzentrieren, bereitet sich die Spezialeinheit zunehmend auf längere Einsätze im Feld gegen einen konventionell bewaffneten Gegner vor. Dies berichtet die Bild unter Berufung auf den KSK-Kommandeur, Brigadegeneral Andreas Kühne. Gegenüber der Zeitung sagte er:
"Wir richten uns sehr konkret auf den Gegner Russland aus."
Längere Einsätze und neue Ausbildungsziele
Seit ihrer Aufstellung im September 1996 übernimmt das Kommando Spezialkräfte (KSK) unter anderem Geiselbefreiungen, die Festsetzung wichtiger Zielpersonen und Spezialaufklärungsoperationen. Die Einheit war auch in Afghanistan im Einsatz. Dort gehörten die Festsetzung von Talibanführern und die Ausbildung afghanischer Spezialkräfte zu ihren Aufgaben.
Nun verändert sich der Schwerpunkt der Ausbildung. Während Einsätze früher laut einem Bericht der Bild in der Regel auf etwa drei Tage ausgelegt waren und die Soldaten anschließend zu ihrem Stützpunkt zurückkehrten, kündigte KSK-Kommandeur Andreas Kühne eine deutliche Veränderung an: "Da werden wir viel länger im Felde ausharren müssen." Möglicherweise werde dies zunächst "ohne Ende" der Fall sein.
Entsprechend trainieren die Soldaten für den Einsatz gegen einen konventionell bewaffneten Gegner, der über Panzer, Artillerie, Drohnen und Mittel der elektronischen Kampfführung verfügt. Auch Operationen bei extremer Kälte gehören zur Ausbildung. Die Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund möglicher Einsätze im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung an der NATO-Ostflanke.
KSK soll vor den Hauptstreitkräften handeln
Im Falle eines Konflikts sollen die Spezialkräfte ihre Aufträge erfüllen, bevor größere Verbände der Bundeswehr in den Kampf eingreifen. Dabei spielt auch die in Litauen stationierte Panzerbrigade 45 eine Rolle. Kühne zufolge sollen seine Soldaten innerhalb von vier Stunden in Stuttgart zum Abflug bereit sein. Ihr Auftrag soll bereits erfüllt sein, bevor die deutschen Panzer in Litauen in Bewegung gesetzt werden. Er erklärte gegenüber der Bild:
"Wenn die Panzerbrigade 45 in Litauen im Ernstfall ihre Motoren startet, wollen wir unseren Job schon gemacht haben."
Der Brigadegeneral verwies zudem auf Übungen im Baltikum, bei denen Deutschland die Fähigkeiten seiner Spezialkräfte unter Beweis gestellt habe. Diese sollten Russland die möglichen Kosten eines Angriffs auf ein NATO-Mitglied verdeutlichen. "Putin kennt unsere Schlagkraft", sagte Kühne. Der General bezeichnete die Abschreckungswirkung als ein "Preisschild" für den russischen Präsidenten: "Das kostet euch einen Angriff auf uns." Dieses Preisschild müsse so hoch sein, dass Russland sich einen Angriff zweimal überlege.
Personalmangel und anspruchsvolle Auswahl
Das KSK ist in der Graf-Zeppelin-Kaserne im baden-württembergischen Calw stationiert. Nach Angaben der Bild gehören der Einheit knapp 1.500 Personen an. Nur etwa ein Drittel davon sind Kommandosoldaten. Die übrigen Angehörigen übernehmen Verwaltungs- und Unterstützungsaufgaben. Der Personalbestand ist dem KSK-Kommandeur Andreas Kühne zufolge derzeit zu 70 bis 80 Prozent aufgefüllt.
Eine Ausweitung des Wehrdienstes könnte nach seiner Einschätzung dazu beitragen, die Personallücke zu schließen und mehr geeignete Bewerber für die Spezialeinheit zu gewinnen. Die Auswahl ist anspruchsvoll: Laut Bild bestehen nur rund 15 Prozent der Bewerber das Auswahlverfahren. Von den Kandidaten werden eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit, geistige Belastbarkeit und eine gute Bildung verlangt.
Rechtsextreme Vorfälle und frühere Skandale
Die Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund früherer Skandale. Das KSK geriet unter anderem wegen rechtsextremer Vorfälle bei einer Abschiedsfeier im April 2017 in die Schlagzeilen. Dabei sollen Soldaten Rechtsrock gehört und den Hitlergruß gezeigt haben. Hinzu kamen erhebliche Unregelmäßigkeiten beim Umgang mit Munition. Im Mai 2020 wurden auf dem Privatgrundstück eines KSK-Soldaten in Sachsen Waffen, Munition, Sprengstoff und rechtsextremistische Schriften entdeckt.
Als Konsequenz wurde am 31. Juli 2020 die 2. Kompanie des KSK aufgelöst. Die Vorfälle stellten damals auch die Zukunft des gesamten Kommandos infrage. Nach Angaben der Bild geht die KSK-Führung inzwischen konsequenter gegen Fehlverhalten vor. Die Zeitung berichtet, dass die Einheit heute besonders streng auf die Einhaltung der geltenden Regeln achtet.
Warnungen vor einem möglichen Konflikt
Die Neuausrichtung der KSK geht mit verstärkten Warnungen deutscher Politiker vor einer möglichen militärischen Konfrontation mit Russland einher. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte wiederholt davor gewarnt, dass Russland bis 2029 in der Lage sein könnte, NATO-Gebiet anzugreifen. Deutschland müsse deshalb bis dahin seine Verteidigungsfähigkeit stärken. Auch die Vorbereitung deutscher Krankenhäuser auf einen möglichen großen Krieg wurde in Medienberichten thematisiert.
Moskau weist die Behauptungen zurück, Russland plane einen Angriff auf NATO-Staaten. Präsident Wladimir Putin erklärte, Russland bereite sich nicht auf einen militärischen Konflikt mit Europa vor. Warnungen vor einer russischen Bedrohung bezeichnete er als gezielte Zuspitzung der Lage, mit der höhere Militärausgaben gerechtfertigt werden sollten. Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte ebenfalls die zunehmende Militarisierung Europas. Er warf westlichen Politikern vor, die Darstellung Russlands als Bedrohung zur Rechtfertigung höherer Verteidigungsausgaben zu nutzen. Moskau erklärte zugleich, man werde auf eine mögliche Aggression reagieren müssen.
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