Kiew: Medizinerin, die das Asow-Foltergefängnis aufdeckte, in Haft

Die Aufdeckung eines informellen Gefängnisses des "Asow"-Regiments bei Kiew hat ein juristisches Nachspiel. Gegen zwei Frauen, darunter die als Rettungsärztin aufgetretene Walentina Molodaja, ordnete ein Gericht Untersuchungshaft an. Sie hatten die Freilassung Schwerverletzter erzwungen.

Ein Gericht in Kiew hat am Mittwoch Untersuchungshaft gegen die 49-jährige Walentina Molodaja, die in der Nacht von Sonntag auf Montag die Freilassung gefolterter Männer und eines 14 Jahre alten Jungen aus einem Geheimgefängnis in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt erzwungen hatte, angeordnet. Auch eine weitere Frau, die an den Ereignissen am Sonntag und Montag beteiligt war, Tatjana Kirejewa, wurde verhaftet.

Den Frauen werden "Behinderung der gesetzmäßigen Tätigkeit der Streitkräfte", "Veröffentlichung der Lage von Anlagen der Streitkräfte" und die "Organisation von Massenunruhen" vorgeworfen. Inzwischen wurden sie und ein 14 Jahre alter Jugendlicher in die Todesliste auf der berüchtigten ukrainischen Prangerseite "Mirotworez" aufgenommen.

Nach ukrainischer Darstellung ist Molodaja keine aktive Medizinerin, sondern Geschäftsfrau und Bloggerin, die eine geschlossene Klinik für Schönheitschirurgie besitzt. Sie sei mit einem privat gekauften, alten Rettungswagen vor Ort erschienen und habe eine medizinische Uniform "als Verkleidung" getragen. Auf ihren Social-Media-Kanälen (zum Beispiel TikTok) verbreitete sie zuvor regelmäßig Videos gegen die Zwangsmobilisierung und rief zu einem "Frieden um jeden Preis" auf.

Wie berichtet, wurde das Foltergefängnis in dem Kiewer Vorort Petropawlowskaja Borschtschagowka am Sonntag entdeckt, als Angehörige eines der Inhaftierten einen Krankenwagen zu dem von außen nicht als Gefängnis erkennbaren, umzäunten Privathaus riefen. Molodaja, die mit dem Krankenwagen zum Ort kam, bestand darauf, in das Haus gelassen zu werden, was ihr nach einiger Zeit auch gewährt wurde.

Sie berichtete anschließend, dass in dem Haus zahlreiche Inhaftierte festgehalten würden, von denen vier schwer verletzt seien. Die Kunde davon verbreitete sich in ukrainischen sozialen Netzwerken – es versammelte sich eine größere Menschenmenge, die in der Nacht die Freilassung der Inhaftierten erzwang. Vier schwer Verletzte konnten durch den Einsatz von Walentina Molodaja medizinisch behandelt werden.

Ein 14 Jahre alter Junge, der ebenfalls verletzt aus dem Haus befreit werden konnte, berichtete inzwischen in einem Videoauftritt, wie er auf das Anwesen geriet und was dort mit ihm geschehen war. Der Chef von Selenskijs Präsidialbüro und frühere Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes Kirill Budanow, in Russland als Terrorist geführt, erklärte vor Ort, es gebe in der Ukraine viele solcher Gefängnisse.

Mehr zum Thema – Die "Folterkammer" des Neonazi-Bataillons Asow: Wie sich der Skandal über Nacht entfaltete (VIDEOS)