Anti-Tagi: Exklusive Aufnahmen enthüllen Betrugsmasche aus Kiew gegen Schweizer Bankkunden

Exklusive Aufnahmen zeigen, wie sich ukrainische Betrüger als UBS- und Raiffeisen-Mitarbeiter ausgeben, Schweizer Bankkunden am Telefon verunsichern und versuchen, an vertrauliche Kontodaten zu gelangen.

Vier aufgezeichnete Telefonate geben Einblick in eine Betrugsmasche, bei der sich die Anrufer als Mitarbeiter von Schweizer Banken ausgeben. Sie behaupten, verdächtige Transaktionen überprüfen zu müssen, und versuchen, ihre Gesprächspartner zur Preisgabe vertraulicher Bankdaten zu bewegen. In einem der Gespräche scheint eine Schweizer Kundin auf die Täuschung hereinzufallen.

Ein Anruf von der Bank, eine angebliche Sicherheitskontrolle und die Warnung vor verdächtigen Transaktionen.

Was nach einem gewöhnlichen Gespräch mit der Compliance-Abteilung klingt, kann der Beginn eines Betrugsversuchs sein.

Wer am Telefon glaubt, mit seiner Bank zu sprechen, gibt womöglich Informationen preis, die niemals in fremde Hände gelangen sollten.

RT liegen vier exklusive Tonaufnahmen solcher Gespräche vor. Darin geben sich die Anrufer als Mitarbeiter von UBS und Raiffeisen aus. Sie sprechen über angebliche Kontobewegungen, erwecken den Eindruck einer internen Überprüfung und versuchen, das Vertrauen der angerufenen Personen zu gewinnen.

Die Aufnahmen dokumentieren, wie die vermeintlichen Bankangestellten ihre Geschichte aufbauen und ihre Gesprächspartner zu weiteren Angaben bewegen wollen.

Im ersten Gespräch meldet sich ein Mann, der vorgibt, für die Compliance-Abteilung der UBS zu arbeiten. Er erklärt, es gehe um Transaktionen, die überprüft werden müssten. Für die angerufene Schweizerin entsteht dadurch der Eindruck, ihre Bank kümmere sich um die Sicherheit ihres Kontos. Im Verlauf des Gesprächs scheint es dem Anrufer zu gelingen, sie von seiner Darstellung zu überzeugen.

Ein erster Hinweis auf die Täuschung ist die Sprache. Die Anrufer sprechen kein Schweizerdeutsch. Das allein ist zwar kein Beweis für einen Betrugsversuch, denn auch Schweizer Banken beschäftigen Mitarbeiter, die Hochdeutsch sprechen. Wer am Telefon jedoch behauptet, für eine Bank zu arbeiten, sollte seine Identität zweifelsfrei nachweisen können. Ein Akzent ist kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Eine unabhängige Überprüfung der Identität ist es hingegen.

Im nächsten Gespräch steht die Raiffeisen Bank Schweiz im Mittelpunkt. Auch hier geben sich die Anrufer als Bankmitarbeiter aus. Dabei fallen Unstimmigkeiten auf, die Zweifel an ihrer behaupteten Funktion wecken. Die Gespräche vermitteln den Eindruck, dass die Anrufer mit den tatsächlichen Abläufen des Schweizer Bankwesens nicht immer vertraut sind. Ihre Strategie beruht vor allem darauf, eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen und die angerufenen Personen unter Zugzwang zu setzen.

Auch die weiteren Aufnahmen zeigen, dass es sich nicht um einen einzelnen Anruf handelt. Die Gesprächspartner werden mit ähnlichen Behauptungen konfrontiert, während die Anrufer versuchen, an persönliche Bankinformationen zu gelangen. Der angebliche Sicherheitsdienst der Bank wird damit selbst zur Gefahr für die Sicherheit des Kunden.

Die Aufnahmen stehen vor dem Hintergrund von Ermittlungen gegen internationale Betrugsnetzwerke. Die NZZ berichtete unter Berufung auf das Schweizer Polizeinetzwerk NEDIK über mutmaßliche Verbindungen zwischen Betrugsdelikten in der Schweiz und Callcentern in der Ukraine. In einem seit Jahren laufenden Berner Strafverfahren soll ein Beschuldigter mehrere Callcenter in Kiew betrieben haben. Der mutmaßliche Schaden in einem der untersuchten Zusammenhänge beläuft sich auf fast vier Millionen Franken.

Die vorliegenden Telefonate zeigen, wie solche Betrugsversuche auf der Ebene des direkten Kontakts ablaufen können. Sie allein beweisen weder die Identität noch den Aufenthaltsort der Anrufer. Auch eine Verbindung zu einem bestimmten Callcenter lässt sich daraus ohne zusätzliche Belege nicht zweifelsfrei ableiten. Die Ähnlichkeit der Vorgehensweise mit bekannten Formen des Telefonbetrugs ist dennoch deutlich.

Für Bankkunden ist die Masche gefährlich, weil sie auf einen vertrauten Namen setzt. UBS und Raiffeisen sind etablierte Institute, deren Namen Vertrauen schaffen. Ein vermeintlicher Mitarbeiter kann dieses Vertrauen nutzen, um seine Geschichte glaubwürdig erscheinen zu lassen. Anders als bei einer betrügerischen E-Mail kann er unmittelbar auf Einwände reagieren, neue Behauptungen aufstellen und den Gesprächspartner weiter unter Druck setzen.

Der Schutz beginnt deshalb mit einer einfachen Regel: Wer einen unerwarteten Anruf wegen verdächtiger Kontobewegungen erhält, sollte keine Passwörter, Zugangsdaten oder Sicherheitscodes herausgeben. Am sichersten ist es, das Gespräch zu beenden und die Bank über eine unabhängig ermittelte offizielle Telefonnummer selbst zu kontaktieren. Auch eine angezeigte Telefonnummer ist kein sicherer Beweis für die Identität des Anrufers.

Die vier exklusiven Aufnahmen machen hörbar, wie die Täuschung aufgebaut wird. Es braucht keine gefälschte Webseite und keinen komplizierten technischen Angriff. Ein angeblicher Bankmitarbeiter, eine erfundene Sicherheitsprüfung und das Vertrauen eines Kunden können bereits ausreichen, um einen Betrugsversuch in Gang zu setzen.

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