Russland

Die Welt als Zirkus: Giancarlo del Monaco inszeniert "Mefistofele" mit Abdrasakow in der Titelrolle

Ein seltenes Meisterwerk, "Mefistofele" des italienischen Dichters und Komponisten Arrigo Boito, kehrte auf die Bühne des Bolschoi-Theaters zurück. Dazu noch als seltene Kombi: Die Inszenierung stammte von Giancarlo Del Monaco, die Hauptrolle sang Ildar Abdrasakow.
Die Welt als Zirkus: Giancarlo del Monaco inszeniert "Mefistofele" mit Abdrasakow in der TitelrolleQuelle: Sputnik © RIA Nowosti

Das letzte Mal wurde "Mefistofele" im Jahr 1902 am Bolschoi-Theater aufgeführt. Damals sang der legendäre russische Bass Fjodor Schaljapin die Rolle des Mephistopheles.

Wie Ildar Abdrasakow gegenüber der Zeitung Iswestija erklärte, hatte er Waleri Gergijew mehrere Jahre lang gebeten, diese seltene Oper wieder auf die russische Bühne zu bringen. Und nun, anlässlich des Jubiläums von Abdrasakow, kehrt die Oper von Boito, der einst unter anderem als Librettist für Verdis Opern tätig war, nach mehr als 120 Jahren ins Bolschoi-Theater zurück. Und das nicht einfach nur so – sondern triumphierend, in einer einzigartigen Inszenierung des italienischen Regisseurs Giancarlo Del Monaco, der die archetypische Handlung vollkommen neu interpretiert hat.

Er hat die Hölle in einen riesigen Zirkus verwandelt, in dem selbst mächtige Könige zu Clowns werden. Die raffinierteste Grausamkeit dieser Hölle ist, dass niemand die Sünder ernst nimmt. Wie aufrichtig sie auch weinen und leiden mögen – für Mephistopheles und das Publikum bleibt ihr Leid nur ein amüsantes Element der Show. Iswestija berichtet über das höllische Zirkuszelt, in das sich die Bühne des Bolschoi-Theaters nun verwandeln wird:

"Das Bühnenkonzept von Giancarlo Del Monaco verzichtet gänzlich auf die üblichen christlichen Dogmen, Teufel und glühende Pfannen. Der Regisseur betont, dass er sich von den Ideen Goethes und des Komponisten Boito leiten ließ, bei denen sich der Prolog im Theater abspielt und die Handlung mit einer Wette zwischen Gott und dem Teufel um die Seele Fausts beginnt. Die Mitwirkenden stellen sich die Frage: Wie sieht die Hölle aus? Jeder stellt sich die Unterwelt auf seine eigene Weise vor.
'In unserer Konzeption ist die Hölle ein riesiger Zirkus, und Mephistopheles ist dessen Regisseur', erklärt Giancarlo Del Monaco. 'Deshalb finden alle Umbauten im zweiten Akt bei geöffnetem Vorhang statt, und die Zuschauer beobachten, wie die Kulissen aufgebaut werden. Alle, die sich schlecht verhalten haben, sind dazu verdammt, in diesem Zirkus ewige Clowns zu sein und über sich selbst zu lachen'."

Das Bühnenbild für dieses teuflische Spektakel schuf der spanische Bühnenbildner Antonio Romero. Heute arbeitet er am Mariinski-Theater, kann jedoch auf zahlreiche Inszenierungen an europäischen Theatern sowie auf die Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro zurückblicken. An dem neuen "Mefistofele" wirkten übrigens neben ihm ausschließlich internationale Stars mit. Ildar Abdrasakow bedarf keiner Vorstellung, und Giancarlo Del Monaco, der über hundert Opern an den größten Theatern der Welt inszeniert hat, leitete die Opernhäuser in Bonn, Nizza und Kassel und stand an den Anfängen der Opernfestivals in Montepulciano sowie des Opernfestivals auf Teneriffa. Gemeinsam schufen sie auf der Bühne des Bolschoi ein wahres Meisterwerk – so, als gäbe es keinerlei geopolitische Turbulenzen, Sanktionen und politische Meinungsverschiedenheiten. Und sie haben erneut bewiesen, dass die Kunst über allem steht, während die Mächtigen dieser Welt, die dies leugnen, eines Tages auf der höllischen Zirkusbühne des Mephistopheles landen könnten – genau wie in ihrer Inszenierung.

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